Die Wildkatze: unsichtbarer Jäger auf dem Weg der Besserung

Noch vor einigen Jahren war sie eine der gefährdetsten heimischen Arten, heute geht sie mit riesigen Schritten nach vorne in Richtung Ausbreitung: die Wildkatze (Felis silvestris). Langsam erobert sie sich ihren natürlichen Lebensraum im Wald zurück. Doch dieser muss in vielen Fällen erst wieder neu geschaffen werden.

Einst war die Wildkatze ein weit verbreitetes Wildtier in Europa. Doch mit der Abholzung weiter Waldflächen und der Jagd auf Raubtiere begann sie nach und nach zu verschwinden. Anfang des 20. Jahrhunderts war sie in unserer Region beinahe vollständig ausgerottet. Erst im mittleren 20. Jahrhundert wurde sie unter Naturschutz gestellt. Das hat gewirkt: Aktuell gibt es schätzungsweise wieder 5.000 – 7.000 Exemplare. Damit die Population weiter anwächst, benötigt die Wildkatze vor allem naturnahe Wälder mit einem intakten Ökosystem. Doch Verkehr auf Autobahnen und Landstraßen nahe der bewohnten Wälder, Siedlungsgebiete und die Landwirtschaft drängen die Tiere auf wenige Restlebensräume zurück und verhindern ihre natürliche Ausbreitung.

 

Schulwälder unterstützen als Korridore die Ausbreitung

 Für Wildkatzen ist es nicht einfach, stark befahrene Straßen wie Autobahnen zu überqueren. Daher war es eine Sensation, als sich 2013 erstmals einzelne Tiere nördlich der A2 zeigten. Damit hatte die Wildkatze einen entscheidenden Sprung geschafft. Nach vielen Jahren ist sie nun zurück im Norden Deutschlands. Heute taucht sie in vereinzelten Teilen der Region wieder verstärkt auf. Die Stiftung Zukunft Wald unterstützt die Rückkehr der Wildkatze in die Niedersächsischen Wälder aktiv. 2014 förderte sie den Bau der artgerechten Wildkatzenanlage im Wisentgehege in Springe. Darüber hinaus entstehen mit dem Projekt „Schulwälder gegen Klimawandel“ überall in Niedersachsen neue Waldflächen. Sie bilden wichtige Korridore für die Ausbreitung der Wildkatze und bieten Rückzugsmöglichkeiten sowie Schutz auf der Reise in andere Regionen. Ein Wildkatzenkater benötigt etwa 40 Quadratkilometer Wald als Streifgebiet – genügend Platz zum Fortpflanzen und Jagen. Die Schulwälder sind daher wichtige Waldinseln und tragen auf lange Sicht zum Artenschutz der Tiere bei.

 

Baldrian überführt die scheuen Jäger

 Franz Hüsing, dem Direktor der Stiftung Zukunft Wald, ist bereits eine Wildkatze vor die Linse gelaufen. Seine Fotofalle hat einige hübsche Schnappschüsse eingefangen. Um die Wildkatze vor die Linse zu locken, verwendete er einen in Baldrian getränkten Stock. Wildkatzen lieben den Geruch von Baldrian. Deshalb kommt dieser auch beim Wildkatzen-Monitoring zum Einsatz. Die Wildkatzen reiben sich an den Stöcken und hinterlassen so einzelne Haare. Über eine Genanalyse ist dann ein wissenschaftlich fundierter Nachweis möglich.

 

Schon gewusst?

Der fast unsichtbare Schleicher dient der Stiftung Zukunft Wald als Maskottchen. So schleicht er sich nun auch auf einigen unserer Posts ein und unterstützt deren Lerneffekt. Also immer schön aufpassen, vielleicht entdeckt auch Ihr demnächst einen der kleinen Jäger.