Interview

„Es entsteht ein unglaublich positives Gemeinschaftsgefühl.“

Maria Schmutte ist Lehrerin der Graf-Friedrich-Schule in Diepholz, die sich seit Dezember 2015 am Projekt „Schulwälder gegen Klimawandel“ beteiligt. Wir haben sie zum Gespräch getroffen und erfahren, wie sich Lehrer und Schüler für ihren neuen Schulwald engagieren.

Bild: Maria Schmutte
Bild: Maria Schmutte

Frau Schmutte, seit einem halben Jahr gibt es den Schulwald in Diepholz. Wie kam es zu der Kooperation zwischen der Stiftung Zukunft Wald und Ihrer Schule?

 

 Die Schulleitung hat ein Anschreiben der Stiftung Zukunft Wald erhalten und ist gleich darauf angesprungen. Nach einer Infoveranstaltung mit Franz Hüsing waren auch viele Kollegen an Bord. Da Umweltbildung eines der zentralen Themen an unserer Schule ist, passt der Schulwald sehr gut zu uns.

 

Warum sollten sich Schüler mit Wald, Klima und Umweltschutz auseinandersetzen?

 

Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche ein Bewusstsein für den Wald entwickeln und lernen, welche Rolle er sowohl für den Menschen als auch als Lebensraum für Tiere spielt. Wälder waren der Hauptgrund, warum ein Kollege und ich mit mehreren Schülern 2009 den GFS-Umweltausschuss ins Leben riefen. Konkreter Hintergrund war das Auftauchen von Regenwald-Papier an unserer Schule. Das fanden wir und die Schüler nicht akzeptabel. Deshalb gab es gemeinsame Überlegungen, wie wir Papier im Alltag einsparen und möglichst viele Institutionen und Einzelpersonen zur Umstellung auf Recyclingpapier bewegen können. Alle zwei Sekunden wird auf dieser Welt eine fußballfeldgroße Fläche an Wald gerodet, jeder fünfte Baum wird für die Papierherstellung gefällt. Den Wald als komplexen Organismus in einer vernetzten Welt verstehen die Kinder an einem Beispiel vor Ort viel besser. Der Regenwald ist zwar immer ein Bezugsthema, aber trotzdem auch sehr weit weg. Daher ist ein eigener Schulwald ein tolles Projekt und eine große Chance. Man stellt einen ganz anderen Bezug her, wenn man weiß: Das sind Bäume, die ich selber gepflanzt habe.

 

Das Projekt läuft jetzt seit zehn Monaten. Was hat sich in dieser Zeit bereits im Schulwald getan?

 

Es gab im Frühjahr dieses Jahres die erste Pflanzaktion mit ca. 5.000 Setzlingen. Abgesehen von der Oberstufe, die aufgrund von Zeitdruck in diesem sehr kurzen Schuljahr davon ausgenommen war, haben sich alle Jahrgänge daran beteiligt – inklusive der Austauschschüler aus Frankreich und des Jahrgangs 5 der benachbarten Realschule. Die Organisation von Seiten der Stiftung war hervorragend und die Zusammenarbeit untereinander sehr harmonisch. Es entsteht ein unglaublich positives Gemeinschaftsgefühl während solch einer großen Aktion, bei der Schüler und Lehrer gemeinsam anpacken. Der Hausmeister und der Schulassistent waren Teil des Organisationsteams und auch die Eltern waren eingebunden: An den fünf Pflanztagen stand für die Schüler nicht nur das eigentliche Pflanzen auf dem Programm, sondern auch ein gesundes Frühstück, das sich aus Beiträgen vieler Eltern zusammensetzte und das in der Mensa stattfand.

 

Was haben Sie und Ihre Kollegen für Reaktionen seitens der Schüler erhalten?

 

Viele Kollegen hat es beeindruckt, wie begeistert die Schüler von dem Projekt waren. Zwar waren einige am Anfang der Pflanzaktion nicht sofort angetan, aber auf dem Gelände selbst kam dann häufig der Umschwung und sie hatten sichtlich Spaß. Dort realisierten viele Schüler auch, dass sie Teil von etwas Großem und Zukunftsträchtigem sind. Zudem waren wir in der besonderen Situation, dass es zuvor geregnet hatte und der Boden feuchtnass war. Die Schüler konnten dort teilweise richtig rummatschen, was vielen Spaß gemacht hat. An den eigentlichen Pflanztagen schien glücklicherweise die Sonne.

 

Das Wetter war insgesamt relativ feucht in diesem Sommer, daher sind die Bäume seitdem gut gewachsen. Unser Schulwald liegt direkt an einer Bundesstraße. Wir Lehrer hören regelmäßig von Schülern, die mit ihren Eltern am Schulwald vorbeifahren und verfolgen, wie sich dort alles nach und nach verändert. Das Interesse und die Resonanz sind also groß.

 

Wie geht es in Zukunft mit dem Schulwald weiter?

 

Das Schulwaldgelände ist ca. zwei Hektar groß. Derzeit laufen noch verschiedene Maßnahmen auf dem Gelände: Im August wurde ein alter Flussarm der Hunte ausgebaggert. Dort soll im Zuge des Schulwald-Projektes ein Auenwäldchen entstehen. Die zweite Pflanzaktion ist für das nächste Frühjahr geplant. Unser jüngstes Projekt ist ein Storchenmast auf dem Gelände, der hoffentlich im nächsten Jahr von einem Storchenpaar angenommen wird. Das wäre für die Schüler natürlich zusätzlich eine ganz besondere Attraktion. Wir hoffen zudem auf ein Arboretum mit den Bäumen der Jahre 1989-2016, das jährlich um den jeweiligen Baum des Jahres erweitert werden soll, sowie auf ein ebenso großes Insektenhotel, wie es derzeit bereits im Schulgarten steht. Zudem haben wir Kontakt zu einem Imker aufgenommen, der im Frühjahr des nächsten Jahres ein Bienenvolk auf das Schulwald-Gelände bringen und Informationsveranstaltungen für Schüler anbieten wird. Derzeit bringen wir unsere Ideen auf den Weg, um den Schulwald fest in den Schulalltag zu integrieren. Ziel ist es, dass sich jeder Jahrgang mindestens einmal im Schuljahr mit dem Wald beschäftigt.

 

Das ist ein ambitioniertes Ziel: Was ist bisher dafür konkret geplant?

 

Mit unseren sechsten Klassen haben wir bereits einen Projekttag „Wald“ durchgeführt. An verschiedenen Stationen lernten die Schüler unter anderem mehr über im Wald heimische Tiere, Holz als Wirtschaftsfaktor und die Funktionen des Waldes für das Weltklima. Dieser Projekttag soll zukünftig fest für die 6. Klasse etabliert werden. Außerdem ist geplant, den Schulwald bereits in diesem Jahr in den alljährlich stattfindenden „Cup der 5. Klassen“ (Umwelttag für den Jahrgang 5) einzubinden. Im Biologie-Curriculum ist er bereits verankert (Jg. 7), ebenso im Erdkunde-Curriculum (Jg. 11); in der Oberstufe soll zukünftig regelmäßig ein Seminarfach rund um das Thema durchgeführt werden. Mit unserer Schulgarten-AG (derzeit 29 Schüler sowie fünf Erwachsene) werden bereits jetzt regelmäßig Ausflüge zum Schulwald unternommen. Das Gelände liegt circa einen Kilometer Luftlinie von der Schule entfernt und ebenso wie die Schule direkt an der Hunte. Daher entwickeln wir ein Konzept für den Bau zweier Stege, einen bei der Schule und einen an dem neu ausgebaggerten Hunte-Arm. So können die Schüler in Zukunft mit dem Kanu direkt von der Schule zum Schulwald paddeln. Treibende Kraft ist hier die Fachobfrau Sport, die auch eine AG „Sport in der Natur“ anbietet. Uns ist es insgesamt wichtig, den Schulwald so einzubinden, dass er ein lebendiger Teil des Schullebens wird und bleibt; denn wir empfinden ihn als große Bereicherung für unsere Schule und sind Franz Hüsing für seine Initiative sehr dankbar.

 

Maria Schmutte:

  • Graf-Friedrich-Schule Diepholz
  •  Unterrichtet Latein
  •  Leitet den Umweltausschuss ihrer Schule
  •  Schulwald Diepholz